Skip to content

Dissertationsdatenbank Uni Innsbruck Forum

Peter Loidl
Vizerektor für Lehre und Studienangelegenheiten, Univ.Prof. Dr.
uniko-Funktionen: Forum Lehre

Medizinische Universität Innsbruck
Speckbacherstraße 31-33, A-6020 Innsbruck
Tel.: 0512/9003-70026, Fax: 0512/9003 73001

vr-lehre@i-med.ac.at

Akademische Laufbahn

1973 bis 1979 Studium Biochemie und Pflanzenphysiologie an der Universität Innsbruck; 1975 bis 1981 Teilstudium der Medizin (alte Rigorosenordnung bis Pathologie);
1979 Promotion zum Dr. phil.

1980 bis 1990 Assistent am Institut für Medizinische Chemie und Biochemie der Universität Innsbruck

1988 Habilitation für das Fach Medizinische Biochemie; 1990 bis 1998 Dozent und Arbeitsgruppenleiter am Institut für Mikrobiologie der Medizinischen Fakultät

1997Primo loco Reihung für Professur für Medizinische Mikrobiologie an der Med.Fak.; 1998 Berufung zum Universitätsprofessor für Medizinische Mikrobiologie an der Med.Fak.

1998 bis 2003 Vorstand des Instituts für Mikrobiologie der Med.Fak. bzw. des interfakultären Instituts für Molekularbiologie; ab 2005 Direktor der Sektion für Molekularbiologie am Biozentrum der Medizinischen Universität Innsbruck (MUI)

 

Lehre

1976 bis 1979 Mitwirkung als WHK; 1979 bis 1997 Bereich Biochemie; ab 1998 Bereich Medizinische Mikrobiologie/Infektiologie, Molekulare Mikrobiologie und Molekularbiologie; Betreuung von 34 Diplomarbeiten und 37 Dissertationen

 

Universitäre Funktionen

1980 bis 1999 UOG75:  mit kurzen Unterbrechungen fast ständig in folgenden Kommissionen: Studienkommission Medizin, gesamtösterreichische Studienkommission Medizin, Budgetkommission, Strukturkommission, Senatsbudgetkommission, diverse Berufungs- und Habilitationskommissionen

1999 bis 2003 UOG93:  Vizerektor für Evaluation von Forschung, Lehre und Verwaltung an der Universität Innsbruck; im Rahmen dieser Tätigkeit Mitarbeit in diversen österreichischen Arbeitsgruppen, z.B. ministerielle AGs für Evaluationsverordnung, Studienevidenzverordnung etc.

In dieser Zeit verantwortlich und federführend für das Projekt "Profilbildung und Schwerpunktsetzung an der LFU" (abgeschlossen im Juni 2003), welches u.a. im Jahr 2004 Grundlage zur Neuorganisation der LFU von 7 Fakultäten (inkl. Medizin) in 15 Fakultäten (ohne Medizin) geführt hat.

ab 2004 UG02:  Mitarbeit in versch. Gremien und Arbeitsgruppen: u.a. Senat, Infrastrukturkommission, gesamtuniversitäre Habilitationskommission, Curricularkommission, Raum-AG-P-6000, Userbeirat, EDV-Kommission, Senats-AGs, u.a.  für die Entwicklung des Bac- und Master-Studiums Mol-Med, Berufungskommissionen, Sprecher der AG für die Neuentwicklung des Organisationsplans Theoretische Medizin

2005/2006 Mitarbeit am Status Report der Universität Mitrovica (Austrian Development Agency) und an der Feasibility study der OSCE for Reorganization of Higher Education in Kosovo

Dezember 2008 bis September 2010 Stellvertretender Senatsvorsitzender an der MUI

ab 2009 Studiengangsleiter Molekulare Medizin an der MUI

seit Oktober 2013 Vizerektor für Lehre und Studienangelegenheiten der MUI

 

Preise/Auszeichnungen

Höchst-Preis, Aventis Preis, Biochemie Preis, Preis der Landeshauptstadt Innsbruck, Sandoz/Novartis Preis, Preis der Österr. Krebsgesellschaft, Teacher-of-the-year 2006, Teacher of the Term 2011

 

Auslandsaufenthalte am Biological Institute der Carlsberg Foundation in Kopenhagen, Dänemark, und am Department für Biochemie und Molekularbiologie der Universität Valencia, Spanien

Gutachter für u.a. Wellcome Trust, NSF, USDA, HFSP, DFG, ESF, SNF sowie mehr als 40 internationale Fachjournale

100 Publikationen (ausnahmslos in internationalen Fachjournalen, u.a. Nature, Science, J Cell Biol, J Biol Chem, Nucl Acids Res, Oncogene, Plant Cell, Curr Biol, J Med Chem, Int Rev Cytol, Trends Plant Sci, FEMS Microbiol Rev.)

« zurück

Einer, der heimlich seine Doktor- zur Habil-Arbeit verkocht - Und eine Uni, die das kaum stört. Was den Anschein einer lokalen Personalie in Innsbruck hat, beleuchtet beispielhaft die österreichische Wettbewerbskultur

Innsbruck - Aufgewärmt ist nicht nur ein Gulasch gut. Nach dieser Alltagsweisheit hat offenbar ein Rechtsprofessor der Uni Innsbruck seine Habilitationsschrift für die Uni-Dozentur zu knapp einem Drittel heimlich aus seiner Doktorarbeit abgeschrieben. Die Österreichische Agentur für Wissenschaftliche Integrität (ÖAWI) sieht in einem Gutachten vom 5. April 2011, das dem UniStandard exklusiv vorliegt, darin jetzt eindeutig "die Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis verletzt". Das Gutachten stellt 32 Prozent Übereinstimmung von Dissertation und Habilitation fest - Paraphrasen wurden dabei noch gar nicht geprüft -, ohne dass auch nur darauf hingewiesen worden wäre.

Aber wen stört das wirklich? Die Innsbrucker Hochschule offenbar nicht. Ihr ehemaliger Rektor Karlheinz Töchterle, mittlerweile Neo-Wissenschaftsminister, erläuterte dem UniStandard, dass er kein Problem sieht, da in einer zweiten Fassung auf das Selbstzitat hingewiesen wurde. Daher befindet Töchterle: "Für mich ist die Sache damit geklärt."

Für den Sprecher der Uni Innsbruck, Uwe Steger, ist das Habilitationsverfahren seit 2008 ordnungsgemäß beendet. Ein internes Gutachten über die "Doppelverwertung" der Dissertation führte damals zu einem glatten Freispruch vom Verdacht eines Täuschungsversuchs.

Getrübter Frieden

Getrübt wird der Frieden allerdings durch einen Innsbrucker Mitbewerber auf eine "ordentliche Professur" für Europarecht. Der fühlt sich gegenüber dem erstplatzierten Kollegen mit der strittigen Qualifikation benachteiligt. Was vordergründig nur wie eine lokale Personalie scheint, zeigt beispielhaft, wie es im sogenannten akademischen Wettbewerb zugehen kann.

Der ertappte Abschreiber sucht sich damit herauszureden, dass er das fachgerechte Zitieren aus der "nicht publizierten Dissertation" einfach "vergessen" habe. Dabei gilt, wie der Uni-Sprecher Uwe Steger klarstellt, jede Doktorarbeit von Rechts wegen als "veröffentlicht" und mithin zitierpflichtig, auch wenn sie nur im Original in der Bibliothek hinterlegt und nicht als Buch erschienen ist.

Auch sogenannte "Selbstplagiate" sind in Prüfungsschriften für den Doktorgrad oder die Habilitation klar und deutlich auszuweisen, weil diese Werke laut Gesetz "neue wissenschaftliche Ergebnisse" darstellen, also auch über ältere eigene Erkenntnisse nachweislich hinausgehen müssen. "Wer wesentliche Teile seiner Dissertation als Habilitationsschrift vorlegt, muss da wohl auf große Bedenken stoßen", meint Heinz Mayer, Professor für Staats- und Verwaltungsrecht.

Schon recht so

Tatsächlich hatte der Habilitand seine Schrift nach einer ersten Begutachtung durch eine Zweitfassung mit den erforderlichen Zitatnachweisen zu heilen gesucht. Grund für die "Nachbesserung" war der Einspruch des Innsbrucker Rechtsprofessors Andreas Schwartze. Schließlich konnte der akademische Lehrer des Kandidaten, der gleichzeitig sein Diplom-, Doktor- und Habilitationsvater wie nun auch Vorsitzender der Berufungskommission ist, die letztverantwortlichen Gremien zu einem "Is' scho recht so" überzeugen.

Ein vergleichbarer Fall in Deutschland ging vor wenigen Jahren ungünstiger aus. Mit Wissen seines Doktorvaters hatte ein Erfurter Nachwuchswissenschafter seine Magisterarbeit zur Dissertation verwurstet. Als die Fakultät dahinterkam, konnte er nach einigem Aufruhr zwar den Doktortitel behalten. Unter nachhaltigem Druck aus der bundesdeutschen Fachwelt haben sich Prüfling und Prüfer aber alsbald aus der Wissenschaft in die Politik verabschiedet.

An der Tiroler Landes-Uni sind die Bedenken offenbar geringer. Der Innsbrucker Bewerber war mit einer "Sammelhabilitation" erfolgreich, bestehend aus der gedoubelten Einzelschrift plus weiteren vierzig, bereits in Zeitschriften veröffentlichten Beiträgen.

Damit geht nach Einschätzung deutscher Kollegen aber der Sinn der Habilitation gerade in den Rechtswissenschaften verloren. "Später schreibt man noch genug Aufsätze und Gutachten von Fall zu Fall", sagt einer, "aber kaum mehr eine breitgefächerte und grundlagenorientierte Arbeit, wie es die dicke Habilitationsschrift sein soll." Im Idealfall soll sie aufgrund mehrjähriger vertiefter Studien an einem Stück dem ganzen Fach auf die Sprünge helfen.

Im konkreten Fall ging es aber anscheinend eher darum, dem Habilitanden die Reife für den neuen Innsbrucker Lehrstuhl zu bescheinigen. Mit einer Ernennung zum "ordentlichen Professor" hat der bisherige Rektor Töchterle entgegen einem klaren Besetzungsvorschlag der Gremien aber doch gezögert. Dass "die Diskussion um die Habilitationsschrift der Grund dafür" sei, hält Steger für eine irrige Vermutung. "Wegen Informationen über geplanter Budgeteinsparungen sind wir angehalten, jede personelle Entscheidung genau abzuwägen."

Postscriptum: Über den Mehrfachvater des fragwürdigen Habilitanden besteht übrigens auch ein unmittelbarer Link zum Guttenberg-Plagiatsfall: In der deutschen Zeit wurde publik, dass Guttenberg von ebendiesem Juristen heimlich abschrieb. Peinlicherweise hatte dieser aber besagte Stelle anscheinend selber heimlich abgeschrieben. (Hermann Horstkotte, UNISTANDARD, 5.5.2011)